Verursachen Photovoltaikanlagen Elektrosmog ?

Grundsätzlich muss diese Frage zunächst mit Ja beantwortet werden. Wie bei jeder Elektroinstallation und jedem elektrischen Gerät entstehen elektrische und magnetische Felder.

Elektrische Gleichfelder: Da die Solarmodule Gleichstrom erzeugen, besteht bei Lichteinfall zwischen der + und der - Leitung des Solargenerators ein elektrisches Gleichfeld. Diese beiden Leitungen sollten (auch aus Blitzschutzgründen) relativ nahe beieinander verlegt werden. Durch diese räumliche Nähe und der vorgeschriebenen Erdpotentialfreiheit ist das elektrische Gleichfeld nur sehr nahe an den Solarmodulen und den Gleichstromleitungen messbar. Elektrische Gleichfelder sind zudem elektrobiologisch erst ab einer relativ hohen Spannung bedenklich.

Magnetische Gleichfelder: Das magnetische Gleichfeld schwankt bei einer Photovoltaikanlage mit der Sonneneinstrahlung. Als Installationsempfehlung gilt sinngemäß das Gleiche wie bei den elektrischen Feldern.

Elektrische Wechselfelder: In einer Solarstromanlage sind elektrische Wechselfelder vor allem an der Wechselspannungsleitung vom Zähler zum Wechselrichter und am Wechselrichter selbst vorhanden. Wechselfelder sind für den Organismus wesentlich schädlicher als Gleichfelder. Obwohl in den Leitungen zu den Solarmodulen nur Gleichstrom fließt, sind an diesen Leitungen häufig elektrische Wechselfelder messbar. Dieses Phänomen kann auf folgende Umstände zurückgeführt werden:

  1. Einige trafolose Wechselrichter trennen nicht sauber zwischen der Wechselspannungs- und der Gleichstromseite. Die Folge ist ein elektrisches Wechselfeld auf den Solarmodulen. Die Rahmen von Modulen in Anlagen mit trafolosen Wechselrichtern müssen (nach VDE) daher geerdet werden. Zur Elektrosmogreduzierung ist die Erdung jedoch nicht ausreichend.

  2. Sind die Gleichstromleitungen in der Nähe von Wechselspannungsleitungen verlegt, koppeln sie in das vorhandene elektrische Wechselfeld der Wechselspannungsleitungen ein. Das elektrische Wechselfeld z.B. einer Leitung zu einer Steckdose oder zum Dachbodenlicht, kann dadurch noch an den Solarmodulen gemessen werden – und dies Tag und Nacht!

Der Typ der Solarmodule, bzw. die interne Verschaltung der Zellen in den Solarmodulen hat einen Einfluß auf das mögliche elektrische Wechselfeld am Solargenerator (Dach).

Ein Problem können auch die von den Wechselrichtern erzeugten Rückwirkungen in das Stromnetz darstellen. Durch das Zerhacken des Gleichstroms und Umformung in einen Wechselstrom entstehen hochfrequente Oberwellen (Störspannungen). Elektrische Felder – auch hochfrequente – lassen sich jedoch relativ leicht abschirmen.

Magnetische Wechselfelder: Magnetische Wechselfelder sind biologisch noch gefährlicher als die elektrischen Wechselfelder. Vor allem die Wechselrichter erzeugen erhebliche magnetische Wechselfelder - allerdings nur bei Tage. Die Stärke der magnetischen Wechselfelder ist abhängig von der jeweiligen Sonneneinstrahlung. Wechselrichter sollten daher in einem größeren Abstand zu tagsüber benutzten Schlaf- und Ruhebereichen montiert werden.

Elektromagnetische Wellen (Hochfrequenz): Photovoltaikmodule und auch die Wechselrichter erzeugen normalerweise keine hochfrequenten elektromagnetischen Wellen. In letzter Zeit kommen aber vermehrt Wechselrichter mit eingebauter Bluetooth oder W-LAN Schnittstelle in den Handel. Die Solarmodule wirken für elektromagnetische Wellen wie ein Spiegel. Dies gilt sowohl für die von Außen- aber auch für von innerhalb des Gebäudes kommenden hochfrequenten Felder. Diese Spiegelwirkung kann sich positiv - wenn der Sender in der richtigen Richtung steht – aber auch negativ auf die Feldsituation in einem Gebäude auswirken.
Von verschiedener Seite wurde auch berichtet, dass die Solarmodule unter bestimmten Umständen wie eine Antenne für hochfrequente Felder (z.B. Mobilfunk) wirken können. Letzteres wurde von mir noch nicht beobachtet bzw. messtechnisch nachgewiesen.

Zusammenfassung: Die zusätzliche Elektrosmog-Belastung durch eine Photovoltaikanlage ist
- bei richtiger Ausführung - gering im Gegensatz zu dem, was sich viele Mitmenschen ansonsten zumuten. Beispielsweise ist das magnetische Wechselfeld einer trafobetriebenen Halogenleuchte oder eines kleinen Radios neben dem Bett ! häufig höher als die an einer Photovoltaikanlage gemessenen Werte. Eine Messung der tatsächlichen Felder nach der Installation einer Solarstromanlage auf einem Wohnhaus ist immer zu empfehlen.


Die Solarstromleitungen sollten eng beieinander und möglichst weit entfernt von allen stromführenden Leitungen verlegt werden. Durch eine zusätzliche Verdrillung der Plus- und Minusleitung, und eine Minimierung der Leiterschleifen auf dem Dach, kann die Einkopplung von Wechselfeldern weiter reduziert werden. Eine Abschirmung durch ein Metallrohr, Wellschlauch oder die Verwendung von abgeschirmten Solarleitungen ist empfehlenswert. Alle obigen Maßnahmen bewirken gleichzeitig auch eine Reduzierung des Blitzschadenrisikos. Sollten bei einer baubiologischen Messung erhöhte Störspannungen auf der Wechselspannungsseite festgestellt werden, muss unter Umständen ein Netzfilter eingebaut werden.

Update 10.02.2019: Bislang war meine Empfehlung für Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden Wechselrichter mit Trafo, oder Wechselrichter bei denen die Gleichstromseite konstruktionsbedingt mit Erdpotential verbunden ist, zu verwenden. Diese Empfehlung gilt zwar nach wie vor, es gibt aber nur noch sehr wenige von diesen Wechselrichtertypen auf dem Markt. Ich mache daher seit einigen Jahren Versuche mit trafolosen Geräten. Bei Einhaltung aller obigen sonstigen Empfehlungen, wie Erdung, Abschirmung, zusätzliche Filter, usw. liegen auch hier die Messwerte nach der Installation im Bereich geringer Belastung.

Werner Bopp,
Bad Mergentheim
Elektromeister, Baubiologe IBN,
www.bio-elektro.de

Stand: 10. Februar 2019  

(Die erste Version dieses Artikels wurde im Jahr 2001 veröffentlicht. Anlass war damals die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Kindergarten St. Pius, Bad Mergentheim. Dieser Artikel wurde im Laufe der Jahre immer wieder dem neuesten Kenntnisstand angepasst.)

Nachträge:

Wir haben zu diesem Thema in den letzten Jahren sehr viele Anfragen erhalten - manchmal mehrere am Tag. Dies freut uns zwar einerseits - andererseits ist das für uns auf Dauer nicht kostenlos leistbar. Eine telefonische Beratung macht auch nur eingeschränkt Sinn. Spätestens nach der Montage der Anlage sollte durch einen erfahrenen baubiologischen Messtechniker nachgemessen werden. Wir empfehlen daher frühzeitig Kontakt zu einem baubiologischen Messtechniker in Ihrer Region bezüglich einer Beratung und Messung Kontakt aufzunehmen. Adressen unter www.baubiologie.de. Für Baubiologen IBN, baubiologische Messtechniker oder auch Kollegen aus dem Elektrohandwerk bieten wir weiterhin eine kostenlose Kurzberatung.

Gerne erstellen wir Ihnen natürlich auch ein Angebot für eine feldreduzierte Photovoltaikanlage.

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